Open Park 2025: In der Szene legendär

Tausende Besucher beim Open Park auf dem Freibadgelände in Pfaffenhofen.

Dunning Kruger OP25
Heavy Country brachte die Band Dunnig Kruger auf die Bühne. - Foto: Albert Herchenbach

Im Hintergrund wummerten noch die Lautsprecherboxen der Rockband Snake, als gegenüber unterm Zeltdach zwei junge Damen ans Mikrofon gingen: „Die nächste Band ist schon da!“ Die hatte allerdings noch nicht einmal eine Mundharmonika dabei – und trotzdem unterhielte sie ihr Publikum prächtig: Die Kabarett-Truppe Stachelbären war nur einer der vielen bunten Programmpunkte des Festivals „Open Park“, das am vergangenen Wochenende zum vierten Mal auf am dem Freibadgelände tausende Besucher anlockte.

Die Idee dazu hatten die Vorstände der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Volker Hoppe und Walter Regensburger. Sie wollten ihrem Verein und anderen sozialen Organisationen die Gelegenheit geben, sich mit ihrer Arbeit und ihren Anliegen vorzustellen. Weil bloße Infostände nicht unbedingt Besuchermagnete sind, holte man den Pfaffenhofener Metalcrew-Kultur-Verein ins Boot. Der hatte sich 2017 gegründet, um Bands und Musiker zu vernetzen und ihnen Auftritte zu ermöglich. „Open Park“, begeistert sich Gründungsmitglied Michael Stiglmayr, „ist in der Szene inzwischen legendär.“ Wohl wahr: Für dieses Jahr hätten sich an die 500 Bands beworben, auch aus dem Ausland. Und das für drei Getränkebons pro Bandmitglied, denn außer einer Aufwandsentschädigung gibt’s keine Gage.

Stachelbären Open Park 2025
Die drei Stachelbären Michael Eberle, Roland Andre und Claus Drexler brauchten keine Musikinstrumente, um ihre Botschaften unters Volk zu bringen. - Foto: Albert Herchenbach

Chris Techritz, Bassist der Ingolstädter Band „Snake“, ist die Freude anzusehen, dabei sei zu können. Die Gruppe gibt es erst seit einem guten Jahr, „und wir möchten gern bekannter werden“. Snake ist zwar auf allen sozialen Internet-Kanälen präsent, aber sich live auf großer Bühne präsentieren zu können, das ist natürlich was ganz anderes. Für ihr junges Publikum, dem die Rhythmen in die Glieder fahren, hat die Band Plastikschlangen mitgebracht, mit denen die Kinder ausgelassen tanzen.

AWO Stand Open Park 2025
Ich mal mir mein Traumhaus: Am Awo-Stand konnten Kinder sich mit Pinseln und Farben austoben. - Foto: Albert Herchenbach

Auch wenn das Publikum, gemessen an Auftritten etwa im Stockerhof, auf der Freibadwiese überschaubar ist, präsentieren die drei Stachelbären Michael Eberle, Roland Andre und Claus Drexler ein aktuelles Programm. „Für die Awo“, sagt Drexler, „machen wir das gern.“ Die beiden Damen, die auf den beiden Bühnen die Programmpunkte ansagen, finden es „krass“, dass es die Kabarett-Truppe schon seit über 40 Jahren gibt. Sie selbst sind Mitte 20. Krass findet es auch Drexler, wie sich Pfaffenhofen in den letzten 40 Jahren entwickelt hat. Wo heute in der Weilhammer Klamm im Freien Espresso getrunken wird, fuhren damals Autos. Eine Dreifach-Turnhalle gab’s genauso wenig wie das Freibad, wo eine Mutter vor kurzem, man glaubt es kaum, eine Maus entdeckt hatte. Was Drexler offensichtlich entgangen ist: Der kleine Erdhügel, auf dem er steht, ist durchbohrt von ungezählten Mauselöchern. Offensichtlich finden die grauen Nager auf dem Gelände reichlich Nahrung von Picknick-Gästen. Wobei sich wie beim Waller im Brombachsee, den Drexler als Beispiel angeführt hatte, die Frage stellt: Wer ist hier der Hausherr? Und wer bricht in wessen Wohnumgebung ein?

KSSG Open Park 2025
Mit Kampfsport gegen Gewalt vorgehen: Vincent Ludwig versteht seine Kampfsportschule als soziales Projekt. - Foto: Albert Herchenbach

Für die anwesenden Hilfsorganisationen lohnt sich die Präsenz: Die Awo konnte so Mitglieder für die Gründung ihres Jugendwerks finden. Auch für die sozialen Dienste „Integra“, die Suchtkranken und Menschen mit psychischen Problemen therapeutische Wohngemeinschaften bieten, lohnt sich die Anwesenheit. „Wir konnten“, sagt Antonia Motzke, „im vergangenen Jahr hier einen neuen Mitarbeiter gewinnen. Wir wollen Ansprechpartner bleiben und hier auch Anfragen beantworten.“

Timea Göghova Open Park 2025
Der sozial engagierten Singer-Songwriterin Timea Göghova, Frontfrau von drei Metal-Bands, hätte man ein großes Publikum gewünscht. - Foto: Albert Herchenbach

Deshalb hat auch Vincent Ludwig, der vor einem Jahr die Kampfsportschule KSS gegründet und schon 120 Mitglieder gewonnen hat, einen kleinen Boxring aufgebaut, in dem Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene mit weichen Boxhandschuhen miteinander fighten. Für Ludwig, der als Pädagoge fürs Jobcenter Langzeitarbeitslose betreut, ein soziales Projekt mit dem Motto: „Kampfsport gegen Gewalt“ – wer lernt, seine Aggressionen zu kanalisieren, kann seinen Frust loswerden und bekommt Selbstbewusstsein. Die Bands auf den Bühnen zeigen, dass das auch musikalisch geht.

Newsletter

Nur Neuigkeiten zum Festival! Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung

  • Lesedauer:4 Min. Lesezeit